BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Ein kleines Rückgrat: Die Schutzgebiete

Die diversen europäischen und nach Landesrecht geschützten Gebiete bilden ein - allerdings kleines - Rückgrat des Naturschutzes im Münsterland. Wobei die Bemühungen der vier Landkreise, über die Landschaftsplanung Gebiete zu schützen, bisher wegen der weitgehenden Unterordnung der Naturschutzbelange unter die zunehmend intensivierte Landwirtschaft nur von eher mäßigem Erfolg gekrönt sind.

Wenn die damalige Westfälische Ornithologen-Gesellschaft (WO-G, heute mit der Gesellschaft Rheinischer Ornithologen, GRO, zur Nordrhein-Westfälischen Ornithologen-Gesellschaft, NWO, fusioniert) nicht Anfang der 1970er Jahre (es galt noch das Reichsnaturschutzgesetz!) das "Feuchtwiesenschutzprogramm" initiiert hätte, sähe es um den Naturschutz im Münsterland noch sehr viel schlechter aus. So konnten damals etwa 6.000 ha Feuchtgrünland (von geeigneten 18.000 ha) vor dem sicheren Aus bewahrt werden. Die Einzelheiten können anhand der -> Entstehungsgeschichte nachvollzogen werden.

Damals wurden übrigens noch erhebliche Mittel in den Flächenkauf gesteckt, was gegen Ende der 1990er Jahre allmählich gegen Null ging und erst in den letzten beiden Jahren (2013/14) in noch bescheidenem Umfang wieder möglich ist. Denn - heute noch viel mehr als in den "Nuller" Jahren - ist der Flächenerwerb oft die einzige Chance, der Zerstörungskraft des landwirtschaftlichen "Strukturwandels" zu widerstehen. Der von der LÖLF in dem oben verlinkten Artikel noch so hoch gelobte Vertragsnaturschutz leidet nämlich an einem entscheidenden Mangel: Wenn die Vertragszeit abgelaufen ist, kann der Landeigentümer alle möglicherweise entstandenen Erfolge im Naturschutz wieder zunichte machen. Von daher ist dieses Instrument weitgehend unbrauchbar. Denn der "Vertrauensschutz" erlaubt es nicht, nach Vertragsende einfach auf eine Veränderungssperre zu setzen. Außerdem sind auch beim Vertragsnaturschutz die Preise deutlich in die Höhe gegangen.

Lediglich etwa 5,5% der Fläche des Regierungsbezirks Münster stehen unter Naturschutz. Die Einzelheiten der NSG-Verordnungen können der Zusammenstellung der Bezirksregierung entnommen werden.

Quelle: Bezirksregierung Münster, Dez. 51

Anhand der Tabelle lässt sich leicht erkennen, dass etwa 2/3 der NSG-Fläche von europäischen Schutzgebieten, also FFH- und VS-Gebieten eingenommen werden, die EU-weit zusammen das Netz Natura 2000 bilden. Eine Übersichtskarte der Gebiete in NRW findet sich im Naturschutzinformationssystem des LANUV.

Abgesehen von Wäldern bilden die diversen Feuchtwiesenschutzgebiete den Hauptteil der Schutzgebietsfläche im Münsterland. Dazu gehören so bekannte Gebiete wie die Büngersche und Dingdener Heide (Kreise Borken und Wesel; wobei es schon etwas sehr merkwürdig ist, dass dieses Gebiet nicht als EU-Vogelschutzgebiet angemeldet worden ist und auf den vom Land auf einen NRW-Naturschutzverband übertragenen Flächen Naturschutz auch nur sehr "gebremst" stattfindet), im Kreis Borken ferner das Zwillbrocker Venn mit dem angrenzenden Ellewicker Feld, die Heubachwiesen, das Kuhlenvenn, das Ammeloer Venn, Amtsvenn und Hündfelder Moor (wo immer noch [August 2014] nach den Ursachen für den massiven Ölaustritt aus den Kavernen der Salzgewinnungsgesellschaft gesucht wird) und - zusammen mit dem Kreis Coesfeld - die Berkelaue.

Im Kreis Steinfurt sind besonders zu erwähnen die zum Teil über 10 km² großen Feuchtwiesenschutzgebiete Düsterdieker Niederung, das Strönfeld, das Feuchtgebiet Saerbeck, Haverforts Wiesen, Halveder Moor, Hölter Feld, die Wiesen am Max-Klemens-Kanal, das Emsdettener Venn, das Recker Moor (das durch die aktuelle Ansiedlung einer 78.000 Hähnchen-Mastanlage beeinträchtigt werden dürfte), Seester Feld, Haler Feld-Vogelpohl, aber auch ganz anders strukturierte Areale wie der Teutoburger Wald bei Lengerich und Lienen (siehe aber auch: >), der Habichtswald, der Gravensteiner See, das Borghorster Venn, die Emsaue, die Dörenther Klippen und das Heilige Meer.

Der Kreis Warendorf ist in dieser Hinsicht deutlich schlechter ausgestattet: Er beherbergt einige  Feuchtwiesenschutzgebiete wie das Füchtorfer Moor, die Brüskenheide, die Vohrener Mark, Beelener Mark, aber auch das Geisterholz und seinen Teil der Emsaue, ein kleines Stück Lippeaue und als für das Münsterland sehr ausgedehntes Waldgebiet zusammen mit dem Kreis Coesfeld und der Stadt Münster die Davert.

Abgesehen vom Süden des Kreises ist auch der Kreis Coesfeld weitgehend von Intensivlandwirtschaft geprägt. Es finden sich nur wenige bedeutende Schutzgebiete wie die oben schon erwähnte Davert, das relativ kleine Venner Moor, der Welter Bach, aber eben auch die ausgedehnten Heubachwiesen, Teile der Borkenberge als östlicher Bereich des Truppenübungsplatzes Haltern, die Wildpferdebahn im Merfelder Bruch, die Steveraue und die schon oben beim Kreis Borken erwähnte Berkelaue. Eine Übersicht über alle Schutzgebiete im Kreis Coesfeld ist hier zu finden.

Für den noch zum Münsterland zählenden Norden des Kreises Recklinghausen sind - neben den schon erwähnten Teilen des Truppenübungsplatzes Haltern - erwähnenswert die Westruper Heide, die WASAG-Moore, die Lippeaue, die Rhader Wiesen, der Wienbach und natürlich die Hausdülmener Fischteiche.

Bleibt zum Schluss noch die Stadt Münster mit ihren (kleinen) Anteilen an der Emsaue, den großen Waldbereichen Wolbecker Tiergarten und der schon bei den Kreisen Warendorf und Coesfeld erwähnten Davert sowie die Rieselfelder.

Auswege aus der Misere?

Während es auf den gut 5% Schutzflächen noch teilweise gut aussieht - vor allem in den Gebietsteilen im Eigentum des Landes NRW, der Naturschutzverbände selbst oder der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege - sind bislang alle Versuche gescheitert, über den Vertragsnaturschutz zu einer Verbesserung der Situation zu kommen.

Dies hängt einerseits damit zusammen, dass die Geschwindigkeit der Industrialsierung landwirtschaftlicher Produktionsprozesse so rasch abläuft, dass alle Naturschutzbemühungen im ländlichen Raum konterkariert werden. Andererseits sind neue Probleme hinzugekommen, vor allem die Agrargasanlagen: Infolge der zwischenzeitlich hohen Förderquoten mussten alle Versuche scheitern, die Umwandlung in Maisäcker mit Kulturlandschaftsprogrammen zu stoppen. In manchen Gegenden des Münsterlandes kostet inzwischen (2014) ein Hektar Ackerland rund 100.000 €!

Da die Agrarpolitik im Wesentlichen in Brüssel und Berlin exekutiert wird, sind die Einflussmöglichkeiten eines Landes vergleichsweise gering. Auch die Fragen der Förderung unerwünschter Prozesse im Rahmen der Erneuerbaren Energien werden überwiegend im Bund entschieden.

Das Land NRW hat schon frühzeitig auf Förderung des einzelnen Landwirts gesetzt; das begann mit den Ausgleichszahlungen im Rahmen des Feuchtwiesenschutzprogrammes 1985/86 und weitete sich immer mehr aus, so dass heute für eine Vielzahl von Tätigkeiten (bzw. Nicht-Tätigkeiten!) der Landwirte "Förderpakete" existieren. Erst in neuester Zeit (April 2014) ist ein weiterer Förderbaustein zum Schutz der Kiebitze hinzu gekommen. Auch viele Kreise und Kreisfreie Städte betreiben solche "Kulturlandschaftsprogramme" (KULAP).

Dreh- und Angelpunkt ist jedoch die "Gemeinsame europäische Agrarpolitik" (GAP). Auch die erst kürzlich abgeschlossene neueste GAP-Verhandlungsrunde (die mit den Vorgaben des damaligen Agrarkommissars Ciolos gar nicht so schlecht gestartet war), hat die Hoffnungen der europäischen Naturschutzverbände auf ein "Greening" nicht erfüllt. Oberste Maxime ist immer noch das "Wachsen oder Weichen" (seit Jahrzehnten dafür mitverantwortlich: der Deutsche Bauernverband und seine regionalen Untergliederungen, also auch der heimische WLV!) und die Exportorientiertheit, die - verbunden mit Subventionen - in vielen Ländern nicht nur Afrikas die dortige heimische Produktion sabotiert. Diese Entwicklung wird seit vielen Jahren auch von der Bundesregierung nicht nur toleriert, sondern sogar gefördert - gelegentlichen zarten Widersprüchen aus Bayern zum Trotz.

Ebenfalls seit vielen Jahren machen der BUND und seine Untergliederungen zusammen mit dem Agrarbündnis zum Beispiel bei den Großdemonstrationen während der "Grünen Woche" in Berlin Aktionen gegen diese nicht nur aus Naturschutzsicht verheerende Politik.

Lotta continua! - der Kampf geht weiter.

Demonstration des Agrarbündnisses 2013 in Berlin.
Quelle: http://www.bund-muensterland.de/themen_und_projekte/naturschutz_im_muensterland/